Myozentrik

Prinzipiell gibt es bei der CMD zwei Möglichkeiten der Therapie:

  1. Verbesserung der Adaptionsfähigkeit
  2. Reduzierung der Belastung

Der erste Punkt ist meist die Domäne der Manualtherapie, wobei es hier in der Osteopathie, Physiotherapie und Manuellen Therapie viele unterschiedliche Ansätze gibt.

Beim zweiten Punkt kommt man bei der CMD am Biss kaum vorbei, auch wenn dies immer wieder versucht und behauptet wird. Ein nachvollziehbares Interesse an solchen Behauptungen findet man vor allem dort, wo Bisse routinemäßig verändert werden und es darum geht, mit negativen Konsequenzen daraus möglichst nicht konfrontiert zu werden, also vor allem in der Kieferorthopädie und der Prothetik.

Letzterer entsprang in den USA in den 40er und 50er Jahren die so genannte „Gnathologie“, eine Sichtweise, die auf die Kiefergelenke und eine Rotationsachse fokussierte, die man diesen angeblich zuordnen konnte. Um dies zu tun, musste jedoch der Unterkiefer eines Patienten in der Regel durch den Zahnarzt aus seiner im Biss natürlich gewachsenen Zuordnung verschoben werden. Gnathologische Techniken und Geräte fanden in den USA in den 60er und 70er Jahren eine starke Verbreitung. Da im gleichen Zeitraum dort auch viele neue zahnmedizinische Fakultäten gegründet wurden, fanden sie auch schnell Zugang zu Universitäten. In den 70er Jahren hielt die gnathologische Lehre auch in Europa Einzug und es entwickelte sich eine lokale Industrie zur Herstellung entsprechender Gerätschaften, die heute weltweit führend ist.

Im gleichen Zeitraum erlebten auch kieferorthopädische Vorgehensweisen eine weite Verbreitung, bei denen die Meinung vorherrschte, dass Zähne oft zu groß für den Kiefer geformt seien, so dass man einige entfernen müsse, um genügend Platz zu schaffen. Oft wurden vier Prämolaren extrahiert und beim darauf folgenden Lückenschluss erfuhr der  Biss des Patienten nicht selten erhebliche Veränderungen.

Heute hat man etliche dieser Techniken modifiziert, jedoch ohne dabei die zugrundeliegenden Gedankengänge in jedem Fall neu zu überdenken. 

Der Begründer der Myozentrik, Dr. Bernard Jankelson, hatte schon in den frühen 60er Jahren erkannt, dass sich Bisse verschieben können und dies mit dem Begriff „Akkommodation“ beschrieben. Akkommodationen im Biss verursachen kompromittierte Kieferstellungen auch in der Ruhe, also während der Zeit, in der Zähne keinen Kontakt haben. Dies wiederrum geht mit chronischen Muskelverspannungen und Kompressionen der Kiefergelenke einher, die im Lauf der Zeit zu deren Verformung und Funktionseinschränkung beitragen. Nur selten sind jedoch die Kiefergelenke tatsächlich der Auslöser einer CMD. Vielmehr machen sie sich meist  erst nach jahrelanger Fehlbelastung durch Symptome bemerkbar.

Daher ist es das Hauptanliegen bei der myozentrischen Vorgehensweise, Muskelverspannungen und Akkommodationen zu lösen, um die Kieferstellung zu identifizieren, welche eine gute und symmetrische Leistung der beteiligten Muskulatur im Biss und die optimale Entspannung in der Ruhe ermöglicht.

Vielfach wurde und wird in Deutschland jedoch die Myozentrik quasi durch die Brille der Gnathologie betrachtet und Vorgehensweisen dabei vermischt. So werden z. B. Zahnmodelle mit einem Gesichtsbogen mit Referenz zur gnathologischen Scharnierachse in einem Artikulator eingestellt und in der Myozentrik lediglich eine andere Bisslage gesehen, statt einem prinzipiell anderem, nämlich dem neuromuskulären Verständnis der Funktion.

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