Scan 11

Rainer Schöttl, D.D.S.(USA)

Zweck: Überprüfung der maximalen Leistungsfähigkeit von Mm. masseter und temporalis bei unterschiedlicher Abstützung im Biss

Im Scan 11 wird mit möglichst hohen Signalstärken gearbeitet, nämlich wenn der Patient so kräftig zubeißt, wie er es vermag. Dabei wird die Muskelleistung und Symmetrie der Anspannung in den paarigen Kaumuskeln verglichen, z. B. beim Biss auf die eigenen Zähne, mit dem auf einen Bissbehelf oder auf ein neutrales Medium, wie Watterollen.

Die volle Leistungsfähigkeit steht den beteiligten Muskeln zur Verfügung, wenn

  • sie nicht erschöpft sind;
  • sie nicht reflektorisch gehemmt sind, z. B. durch Schmerzen aus Paradontalrezeptoren, eine instabile okklusale Abstützung etc.;
  • wenn die Stellung des Unterkiefers mit Respekt zur Zugrichtung der Muskeln optimal angeordnet ist.

Den letzten Punkt untersuchte der Autor im Jahr 2002 zusammen mit Dr. Brigitte Losert-Bruggner, Lampertheim, bei einer Pilotstudie mit einem Aufbau, bei dem okklusale Faktoren ausgeschaltet wurden, so dass der Faktor „Kieferposition" isoliert bewertet werden konnte. 

Gebissen wurde hierfür nicht auf die Zähne, sondern auf die Schablone eines intraoralen Stützstiftes (IPR nach A. Vogel), mit der sowohl die Kieferstellung, als auch die Kraftübertragung zwischen Unter- und Oberkiefer messtechnisch kontrolliert werden konnte. Die Probanden nahmen unter Sichtkontrolle auf dem Systemmonitor jeweils acht verschiedene Kieferstellungen ein (ausgehend von der Retrallage des Unterkiefers im Pfeilwinkel) und bissen dort mit jeweils dem gleichen Druck, der ebenfalls am Systemmonitor angezeigt wurde, auf den Stützstift während vier EMG-Ableitungen der Mm. masseter und temporalis, jeweils links und rechts aufgezeichnet wurden.  

EMGCR-ant

Dieser Versuchsaufbau ergab einen klaren Trend: In der Retrallage des Unterkiefers brach die Leistungsfähigkeit der Mm. masseter ein und der Druck auf den Stützstift wurde offensichtlich durch die vermehrte Aktivierung der Mm. temporalis erzeugt. 2-3 mm weiter anterior war in allen Fällen eine deutliche Verschiebung ein, bei welcher der Druck auf den Stützstift nun primär durch die Mm. masseter erzeugt wurde. Ab einem bestimmten Punkt bewirkte die weitere Verlagerung des Unterkiefers nach anterior in jedem Fall ein Einbrechen der Leistungsfähigkeit in den Mm. temporalis und eine Verlagerung nach retral einen ansteigenden Leistungsverlust in den Mm. masseter. Gewisse Trends waren auch bei lateralen Verschiebungen zu erkennen, jedoch nicht in einem derart einfachen Muster.

Bei dieser Messung wurde die Leistungsfähigkeit der gleichen vier Elevatoren beim Biss auf die eigenen Zähne mit dem auf Watterollen verglichen. Der Patientin gelang es erst nach einigen Versuchen, auf den eigenen Zähnen gut messbare Muskelkontraktionen zu erzeugen, während sie beim Biss auf Watterollen auf Anhieb bessere Leistungen erzielte. Ein Hinweis auf reflektorische Hemmung in der bestehenden Interkuspidation.

Hier wurde Leistungsfähigkeit auf einem Bissbehelf überprüft, vor und nach dem Einschleifen mit einer Remontage. Die verminderte Kontraktionsfähigkeit im rechten M. masseter wurde durch die Maßnahme weitgehend behoben.

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