Scan 4/5

Rainer Schöttl, D.D.S.(USA)

Etliche Scans haben in der Zeit des K5 ihren Ursprung, als man die Daten nur mit einem Bild speichern konnte, das man vom Oszilloskop abfotografiert hatte. Heute werden die Daten in ihrer Rohform gespeichert und können am Bildschirm in beliebiger Form dargestellt werden, so dass einige der Scans überflüssig geworden sind, denn sie wiederholen lediglich eine Bewegung in einem anderen Darstellungsmodus.

Prinzipiell stellt der Scan 4 die gleichen Daten dar wie der Scan 5, jedoch im so genannten „Sweep-Modus“ mit einer Zeitachse. Dies mag zur Einstellung des TENS-Impulses vorübergehend nützlich sein, jedoch kann man dann mit der Taste „S“ direkt in die räumliche Darstellung der Bewegung und in den Scan 5 springen. Die horizontale Ansicht ist hier wenig hilfreich und bleibt meist ausgeschaltet.

Zweck: Ermittlung von Akkommodationen, Bestimmung der myozentrischen Position

  • Vergleich habituelle Ruhe-Schwebe (HRS) – physiologische Ruhe-Schwebe nach Entspannung der Kaumuskulatur (PRS)
  • Bestimmung der physiologischen Schließbewegung (ps)
  • Bestimmung der interokklusalen Distanz
  • Vergleich interkuspidale Position (IKP) – myozentrische Zielposition (MZP)
  • Identifizierung möglicher Interferenzen
  • Kontrolle während der myozentrischen Bissregistrierung

Der Scan 5 ist bei seiner korrekten Anwendung einer der aussagekräftigsten, welche das K7 System liefern kann. Die Aufzeichnung zeigt die Position des Unterkiefers in der durch die Zähne bestimmten interkusoidalen Position IKP. Lässt die Patientin ihren Unterkiefer locker, so fällt er entlang der Bahn hs in die habituelle Ruhe-Schwebe HRS. Diese ist hier jedoch keineswegs entspannt, sondern hält den Unterkiefer so, dass er mit einer möglichst einfachen Schließbewegung entlang der Bahn hs wieder in die IKP trifft.

Nach der Entspannung der Kaumuskulatur während die Einnahme der Interkuspidation z. B. durch Einlegen eines FreeBites zwischen die Zahnreihen verhindert wird, ergibt sich ein völlig neues Bild: Bei Reduzierung der Muskelzüge durch die entspannte Kaumuskulatur stellt sich der Unterkiefer in eine neue physiologische Ruhe-Schwebe PRS ein. Von dort aus ergeben kleine Öffnungs- und Schließbewegungen eine neue physiologische Schließbewegung ps, welche meist parallel zur habituellen Schließbewegung hs verläuft, solange keine okklusalen Interferenzen Ausweichbewegungen erforderlich machen. Jedoch mündet schon eine relativ kleine Bewegung entlang der Bahn ps in einem Kontakt zwischen den Schneidezähnen, woraus sich die myozentrische Zielposition MZP ergibt. Diese liegt 3 mm inferior und 0,7 mm anterior zur IKP. Wollte man den Biss entlang der Bahn ps absenken, bis man die Höhe der IKP erreicht, so entstünde eine sagittale Differenz von 2,7 mm und man müsste viel Zahnsubstanz opfern. Das ist hier jedoch nicht indiziert, denn es besteht gerade noch genug interokklusale Distanz. Man spricht daher von einer posterioren Hypookklusion, die man ausgleicht, indem man den Biss auf den posterioren Zähnen hebt und den Zahnkontakt anterior so belässt, wie er ist.

Jedoch sieht man auch in der Frontalen deutliche Veränderung nach Entspannung der Kaumuskulatur, denn die physiologische Ruhe-Schwebe PRS stellt sich 0,6 mm links der habituellen Ruhe-Schwebe HRS ein. Hier verlaufen ps und hs ebenfalls parallel zueinander und vertikal.

Der Scan 5 muss dieser Beschreibung rückwärts folgend erstellt werden, indem nach der Muskelentspannung zuerst die physiologische Ruhe-Schwebe PLS bestimmt wird, danach die physiologische Schließbewegung ps, die myozentrische Zielposition MZP und dann erst die IKP und Protrusionskurve aufgezeichnet wird. Das Zubeißen, um die IKP aufzuzeichnen, programmiert diese sofort als neue Zielposition und vernichtet die Muskelentspannung teilweise oder völlig, verfälscht somit auch ps in Richtung hs. Daher bevorzugen viele myozentrisch versierte Praktiker, das Myozentrikregistrat zu erstellen, noch bevor der Patient zum ersten Mal wieder Zahnkontakt hat und somit die Möglichkeit, sich an seinem habituellen Biss erneut zu orientieren.

Hat man die neuromuskuläre Dysfunktion korrekt interpretiert, so decken sich die Ergebnisse in der Myozentrik mit den Beobachtungen bei der Funktionsuntersuchung und Modellanalyse. Ist dies nicht der Fall, so hat man einen Faktor übersehen, denn es kommt nur selten vor, dass sich durch die Entspannung der Kaumuskulatur eine widersinnige Kieferstellung ergibt. Meist hat man statt dessen Fehler eingebracht, z. B. nicht auf die aufrechte Kopf- und Körperhaltung geachtet, Blockierungen in der Wirbelsäule übersehen, oder andere Faktoren, wie z. B. ein Stellungsfehler der Augen. 

In der Regel ist die MZP eine Kieferstellung, in der eine gute und ausgeglichene Muskelkraft möglich ist und aus welcher der Unterkiefer in eine Schwebe mit tatsächlicher Ruhe fallen kann, in der die Kaumuskeln nahe ihrer physiologischen Ruhelänge sind und daher optimal entspannen können. Dies lässt sich bei Bedarf auch mit Messungen elektromyographisch objektiv belegen.

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