Scan 9/10

Rainer Schöttl, D.D.S.(USA)

Zweck: Überprüfung der muskulären Ruhespannung, Überprüfung der Therapieeffizienz

  • Scan 9: Ruhespannung habituell, vor Therapie
  • Scan 10: Ruhespannung nach Therapie
  • Ermittlung der Wirkrichtung aufsteigend/absteigend

In den Scans 9 und 10 wird die Ruhespannung der Muskulatur gemessen, etwas, das bei Neurologen, die sich typischerweise mit Elektromyographie befassen, selten ist. Dort misst man Signale und Reizleitungsgeschwindigkeiten und sieht meist keinen Sinn darin, statt klarer Signale das Gegenteil zu messen, also die Restverspannung, wenn der Patient versucht, seine Muskeln so locker zu lassen, wie es ihm möglich ist.

Die sehr geringe Signalstärke, die nahe am Grundrauschen liegt, erfordert besondere Sorgfalt bei der Anfertigung der Messung:

  • Es müssen frische Elektroden zum Einsatz kommen, deren Silber/Silberchlorid-Schicht nicht durch Oxydation inaktiv geworden ist.
  • Es muss sorgfältig auf die Vermeidung von Artefakten geachtet werden.
  • Die Elektroden müssen korrekt über dem zu messenden Muskel aufgebracht werden, in Faserrichtung und über dem größten Muskelbauch.
  • Die Netzfrequenz (in Deutschland 50 Hz) muss engpassig ausgefiltert werden
  • Körper-, Kopf- und Augenhaltung des Patienten müssen optimiert werden und es muss ihm ausreichend Zeit gegeben werden, um zu seiner bestmöglichen Entspannung zu finden.
  • Bei Vergleichsmessungen müssen diese Faktoren jedesmal genau dupliziert werden, damit die Ergebnisse vergleichbar sind. Hierfür dürfen zwischen den Messungen auch keine Elektroden neu aufgelegt werden und die Messungen sollten möglichst innerhalb einer Stunde gemacht werden, um elektrodenbedingte Unterschiede minimal zu halten.

Scan 9: L=links, r=rechts, TA=M.temporalis anterior, MM=M. masseter, SM=M. sterno-cleido-mastoideus, TR=m. trapezius. 

Scan 10: Endresultat nach mehreren Therapien und jeweiligen Kontrollmessungen, darunter Stimulation der Kaumuskeln mit Niederfrequenz TENS und Nadelung von Reflexpunkten an beiden Ohren, die mit der Kaumuskulatur korrespondieren.

Zusammenfassender Vergleich beider Messungen in einem Bild: Die Säulen „9“ entsprechen dem im obersten Bild (Scan 9) rechts angezeigten Durchschnittswerten der jeweiligen Muskeln, die Säulen „10“ denen im Bild darunter (Scan 10).

Bei der Erstellung des gezeigten Scan 9 waren zunächst Artefakte vermutet worden, denn die Spitzenwerte der Signale liegen verdächtig weit über den Durchschnittswerten. Dies kann auf schlecht klebende Elektroden hinweisen, oder auf ein Kontaktproblem mit der Referenzelektrode, was hier jedoch nicht der Fall war.

Interessant war, dass, obwohl die therapeutischen Bemühungen auf die Kaumuskulatur gerichtet waren, der größte Entspannungseffekt im rechten M. trapezius erzeugt wurde. Dies ist ein Hinweis auf eine absteigende Wirkrichtung, bei der Verspannungen im Nacken durch die Kieferstellung unterhalten werden. Natürlich muss auch hier die Einnahme der Interkuspidation während der Therapie verhindert werden, am besten mit einem Wasserkissen oder einem FreeBite.

Der Unterschied zwischen beiden Messungen bei dieser Patientin lag ausschließlich in einer Entspannung der Nackenmuskeln mit TENS. Die Kaumuskeln wurden nicht therapiert und reduzierten ihre Ruhespannung dennoch erheblich, ein Beispiel für eine aufsteigende Wirkrichtung.

Auf die Anwendung der Scans 9 und 10 zur Überprüfung der therapeutischen Effizienz wird in einem Beitrag im Bite Blog gesondert eingegangen.

©2019 ICCMO, Sektion Deutschland, e. V., Schuhstr. 35, D-91052 Erlangen. |Impressum | AGB | Datenschutz