Mit dem Fellowship wird einem ICCMO-Mitglied eine über die grundlegende Kenntnisse hinausreichende geprüfte Kompetenz in der neuromuskulären Funktionsdiagnostik, der Myozentrik und der myozentrischen Okklusaltherapie attestiert. Das Fellowship zeigt, dass das Mitglied die Konzepte der Myozentrik und der Cranio-Mandibulären Orthopädie verstanden hat und diese in Praxisabläufe zu integrieren weiß. Ein Fellow of ICCMO hat weiterhin die Kooperation im interdisziplinären Team bei der Therapie der CMD im Sinne der Cranio-Mandibulären Orthopädie verstanden und kann sie praktisch umsetzen.

Voraussetzungen für das Fellowship

Der Antrag für die Erlangung des Fellow of ICCMO des ICCMO, Sektion Deutschland, e. V., muss an den Vereinsvorstand gerichtet werden. Solche Anträge können nur von Vollmitgliedern der deutschen Sektion gestellt werden, oder von solchen Mitgliedern, denen aufgrund der Bestimmungen in der internationalen Satzung des ICCMO keine Vollmitgliedschaft möglich ist (siehe Satzung).

Das deutsche und das internationale Fellowship

Das Fellowship wird bei Erfüllung der Kriterien zunächst in jedem Falle von der deutschen Sektion des ICCMO verliehen. Auf Wunsch erfolgt auch die internationale Anerkennung des deutschen Fellowships. Auf Antrag kann an der offiziellen Verleihungszeremonie des internationalen Fellowships teilgenommen werden. Diese ist kostenpflichtig und findet nur bei internationalen Tagungen statt, während die Verleihung des Fellowship durch die ICCMO, Sektion Deutschland, e. V., bei einer Tagung der deutschen Sektion stattfindet und keine Kosten auslöst.

Anforderungen für die Erlangung des Grades "Fellow of ICCMO" in der deutschen Sektion

Gemäß den internationalen Statuten des ICCMO kann jede Sektion eigene Anforderungen für die Erlangung des Grades "Fellow of ICCMO" ausarbeiten. Damit das Fellowship auch international anerkannt werden kann, müssen diese die internationalen Mindestvorgaben erfüllen. Die Anforderungen für die Erlangung des Fellowships repräsentieren zugleich auch die gegenwärtigen Therapie- und Behandlungsempfehlungen des ICCMO, Section Deutschland, e. V. Natürlich steht es jedem Mitglied frei, diese durch eigene Erkenntnisse zu ergänzen. Mitte 2009 nahm der Vorstand die letzte größere Revision der zur Erlangung des Fellowship im ICCMO, Deutschland, e. V., vor.

  1. Der Antragsteller muss seine allgemeinen Kenntnisse in der Myozentrik, der neuromuskulären Differenzialdiagnose und Okklusaltherapie, sowie sein Verständnis der Grundsätze der Cranio-Mandibulären Orthopädie durch einen Vortrag oder eine Veröffentlichung unter Beweis stellen. Dies hat bei einer ICCMO-Jahrestagung, bzw. im ICCMO-Brief zu erfolgen, so dass alle Mitglieder Kenntnis davon haben.

  2. Es müssen 3 myozentrisch therapierte CMD-Fälle nach den unten folgenden Richtlinien dokumentiert und zur Prüfung eingereicht werden.

  3. Diskussion der eingereichten Fallbeispiele mit zwei ICCMO-Mitgliedern, welche einen höheren Grad innehaben (Master of ICCMO).

Aktuelle Richtlinien für die Dokumentation von Fallbesprechungen für Vollmitglieder (approbierte Ärzte und Zahnärzte)

  1. Anamnese mit Differenzierung der Symptomatik nach Art, Ort, relativer Wichtigkeit, bzw. Intensität, zeitlichem Verlauf, auslösenden Faktoren, beeinflussenden Faktoren, Interdependenz von Symptomen untereinander. Eine medizinische Übersichtsanamnese muss ebenso enthalten sein, wie zum Untersuchungszeitpunkt eingenommene Medikamente und Behandlungen wegen anderer Erkrankungen. Kieferorthopädische Behandlungen, bissverändernde Zahnbehandlungen, Unfälle und chirurgische Eingriffe in der Vorgeschichte müssen aufgeführt sein. Die Vorlage eines vom Patienten ausgeüllten Anamnesebogens genügt nicht, die Hinterfragung, Diskussion und das Verständnis der Anamnese durch den Prüfling muss erkennbar sein.

  2. Bereits erfolgte Therapieversuche (zahnärztlich, medikamentös, physioterapeutisch, Schmerzklinik, Osteopathie, usw.) müssen aufgelistet sein, mit dem jeweiligen Therapieerfolg. Insbesondere wenn bereits eine Okklusaltherapie versucht wurde, bei der der Biss reversibel oder bleibend umgestellt wurde, muss diese nach Art, Umfang und Erfolg beschrieben werden. So ist es z. B. wichtig, nach welchen Gesichtspunkten die Bissregistrierung erfolgte, ob im Liegen oder bei aufrechter Körperhaltung, in welchem Kiefer u. U. ein Bissbehelf eingegliedert wurde, ob vorbereitend eine Axiographie oder Stützstiftregistrierung erfolgte, usw.

  3. Ganzkörperlicher Eindruck des Patienten und Haltungsbefund. Diese kann, muss aber nicht, durch eine photometrische Analyse begleitet sein. Ganzkörperliche Zusammenhänge, welche Einfluss auf den Verlauf der CMD haben können, müssen jedoch dokumentiert sein. Hierzu gehören z. B. auch eine asymmetrische Stellung des Unterkiefers zum Kranium oder des Kopfes zur HWS, bzw. zum Rumpf, deutliche Schiefhaltungen, Skoliosen, Beckenfehlstellungen oder -Verwringungen bis hin zu deutlichen Fehlstellungen der Füße. Auch andere Auffälligkeiten bei der ganzkörperlichen Betrachtung sind zu dokumentieren.

  4. Differenzierter Befund der Kopf- und Nackenmuskulatur. Dieser kann, muss aber nicht, von elektromyographischen Ruhe- und Funktionsmessungen begleitet sein. In jedem Fall muss aber eine differenzierte Palpation der entsprechenden Muskeln erfolgen, bei der die Präsenz von Verspannungen/Verhärtungen, von myofaszialen Triggerpunkten und von asymmetrischen Kontraktionsmustern dokumentiert wird.

  5. Untersuchung der Kiefergelenke und Kieferbewegung. Diese kann, muss aber nicht, von Bewegungsaufzeichnungen, sonografischen Aufzeichnungen, etc., begleitet sein. Jedoch muss Ausmaß, Verlauf und Symmetrie der Kieferbewegung erfasst sein, ebenso, wie die Zuordnung von etwaigen Geräuschen, Schmerzen oder auffälligen Palpationsbefunden zu bestimmten Kieferbewegungen oder -Stellungen.

  6. Peri- und intraorale Untersuchung: Mögliche Zusammenhänge zwischen Zahnstellungen/Behandlungen, Bissverschiebungen, den dafür erforderlichen Kompensationen und der vorliegenden Symptomatik müssen herausgearbeitet werden. Auch Zungendysfunktionen müssen erfasst werden. Die Aufzeichnungen sollten, müssen aber nicht, von intraoralen Fotographien begleitet sein. Auf Anfrage müssen Modelle vorgelegt werden können.

  7. Formulierung einer diagnostischen Hypothese zu Entstehung und Verlauf der Funktionsstörung und erforderliche Zusatzdiagnosen im therapeutischen Team.

  8. Tests der diagnostischen Hypothese: Diese können in Form von Reflextests erfolgen, oder in Form von einfachen Veränderungen von vermutlich einflussreichen Faktoren mit Dokumentation der Reaktion des Patienten. Diese können auch im therapeutischen Team erfolgen.

  9. Behandlungsplan, wie eine Korrektur der Fehlfunktion mit effizienten aber möglichst noninvasiven Mitteln herbeigeführt werden kann, unter Berücksichtigung besonderer Faktoren, z. B. Instabilitäten von Kiefergelenken, etc.. Es muss beschrieben werden, welche Ko-Therapeuten aus welchen Gründen mit welchen Behandlungszielen in die Therapie eingebunden werden.

  10. Beschreibung der einzelnen Phasen der Behandlung mit möglichen unerwarteten Entwicklungen und Abweichungen vom Behandlungsplan zu deren Korrektur.

  11. Beschreibung der möglichen Überführung der initialen Okklusaltherapie in eine stabile Endsituation, bzw. warum dies nicht erfolgen konnte und welche Überbrückungslösung statt dessen umgesetzt wurde.

  12. Beschreibung der Kontrolle auf Stabilität des Behandlungsresultates nach 1/2-1 Jahr.

  13. Diskussion der Erkenntnisse und Prognosen für diesen Fall.

Aktuelle Richtlinien für die Dokumentation von Fallbesprechungen für berechtigte assoziierte Mitglieder (Zahntechniker, Physiotherapeuten, etc.)

Die Anforderungen lehnen sich an die für Vollmitglieder an. Die Fälle müssen in Zusammenarbeit mit einem myozentrisch tätigem Zahnarzt erarbeitet werden, und die Besprechungen erfolgen aus der Sicht des jeweiligen Tätigkeitsbereiches. Die Informationen, die das berechtigte assoziierte Mitglied selbst nicht erlangen kann, müssen aus der Kooperation mit dem Zahnarzt gewonnen werden, wodurch auch assoziierte Mitglieder ihre Fähigkeit zur konstruktiven Teamarbeit im Sinne der Cranio-Mandibulären Orthopädie unter Beweis stellen. Zahntechniker müssen auch Details bezüglich der funktionellen Modellanalyse und der neuromuskulär verträglichen Okklusalgestaltung einschließen, fotographisch belegen und diskutieren. Physiotherapeuten müssen spezifische Wechselspiele mit Tonusstörungen der Muskulatur, Blockierungen und anderen muskuloskelettalen Dysfuktionen darlegen und nach Möglichkeit objektiv belegen (bildgebend, Messungen, etc.).